NEWSSMM 2010:
Die Luganesi mutieren zum Lieblingsgegner
Schach: Schweizerische Mannschaftsmeisterschaft
Entlebuch I schafft mit dem 4:4 gegen den Leader Bianco Nero Lugano den ersten Punktgewinn der laufenden Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft. Eine Forfait-Niederlage gab es für Entlebuch II.
Es ist erst das zweite Mal, dass Entlebuch I eine Saison in der 1. Liga der Schweizerischen Mannschaftsmeisterschaft bestreiten kann. Die Gegner sind auf dieser Stufe von einem anderen Kaliber. Das mussten die Entlebucher am eigenen Leibe erfahren. Von den bislang elf gespielten Begegnungen in der 1. Liga gingen ganze zehn, wenn auch teilweise knapp, verloren. Nur einmal schaffte Entlebuch ein 4:4-Unentschieden, und zwar gegen Bianco Nero Lugano vor drei Jahren. Der gleiche Gegner war am Samstag, 26. Juni, anlässlich der 5. Runde der diesjährigen SMM im Hotel Drei Könige zu Gast.
Der Letzte gegen den Ersten Als klarer Favorit sah sich natürlich Bianco Nero Lugano. Die Tessiner lagen nach vier Runden an der Spitze der Gruppe, die Entlebucher dagegen tummelten sich nach vier Niederlagen am Tabellenende. Zudem hatten die Luganesi die stärkeren Spieler in ihren Reihen, was ein Blick auf die Elo-Zahlen bewies: an den ersten sechs von acht Brettern hatten die Südschweizer durchschnittlich rund 180 Elo-Punkte mehr als die Gastgeber. Einen Hoffnungsschimmer gab es gleich zu Beginn. Da Lugano mit einem Spieler weniger antrat, gewann Willy Schmid am letzten Brett forfait. Mario Meier traf als Einziger am siebten Brett auf einen schwächeren Gegner, spielte solide, verbesserte seine Stellung kontinuierlich und gewann. Als Franz Theiler einem stärkeren Gegner ein Remis abtrotzte, lag Entlebuch 2,5:0,5 vorne. Plötzlich schien alles möglich.
Manuel Meier in Topform Eine Glanzleistung zeigte Manuel Meier. Der Finsterwaldner, der immer wieder für eine Überraschung gut ist, lag im Mittelspiel einen Bauern vorne. Im Endspiel münzte er diesen Vorteil in einen Sieg gegen den 200 Elo mehr aufweisenden Tessiner Gegenspieler um. Dies war der wichtigste Sieg des Tages. Nicht nachsetzen konnten Urs Scheidegger und Adrian Krummenacher. Beide verloren ihre Partien trotz beherztem Kampf. Nachdem auch Alfons Lampart am ersten Brett seine Partie verloren geben musste, stand es wieder Unentschieden 3,5:3,5.
Keine Kraft zum Sieg Nun lag es an Guido Schmid. Für den Schüpfheimer Wirtschaftsstudenten sah es zunächst nicht gut aus. Als der Gegner in Zeitnot geriet, schaffte er es, das Ruder doch noch herumzureissen. Plötzlich glaubten die Entlebucher auch an die Premiere; der erste Sieg in der 1. Liga schien zum Greifen nah. Guido Schmid fehlte am Ende aber der Durchhaltewille und die nötige Konzentration. Er bot nach fünfeinhalb Stunden ein Remis an. Der Gegner willigte ein. Das 4:4 bedeutet den ersten Mannschaftspunkt der laufenden SMM und das erst zweite Unentschieden in der Vereinsgeschichte. Wieder gelang dieses gegen ein starkes Lugano. Wahrlich ein Erfolg! Doch will Entlebuch den Abstieg verhindern, müssen Siege her. Ein solcher wurde im x-ten Anlauf verfehlt. Der Ligaerhalt bleibt aber weiter möglich. In der nächsten Runde folgt die Reise nach Mendrisio (derzeit Platz 5), am letzten Spieltag das Keller-Duell gegen Wettswil (Platz 7). Gegen die direkten Konkurrenten sind Siege doppelt so viel wert.
Minuspunkt für Entlebuch II Gar nicht erst zur fünften und für sie letzten Runde angetreten ist dagegen die zweite Mannschaft: die Entlebucher hatten derart viele Absenzen zu beklagen, dass sie es nicht schafften, genügend Spieler aufzutreiben. Die Konsequenz: nebst einer Busse kassierte das Team eine 0:6-Forfait-Niederlage und einen Minuspunkt. Da es auch an den vorangegangenen Spieltagen nicht gelang, wenigstens ein Unentschieden zu erreichen, beendet Entlebuch II die Meisterschaft 2010 auf dem letzten Platz – nota bene mit einem Punktestand von minus 1. Glück nur, dass die vierte Liga keine Absteiger kennt. Sie ist die unterste Stufe. Nach dem Abstieg von der 3. in die 4. Liga im Vorjahr stellt die vergangene Spielzeit nun einen neuen Tiefpunkt dar. Man kann es auch anders sehen: Entlebuch II wird nächstes Jahr garantiert besser abschneiden, wenn immer genügend Spieler gefunden werden. [ds]
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